Das Werk von Martin Havekost in den Jahren 1996-2000
Bernd Diekmann, Eberhard R. Hilf
Fachinformations-Vermittlungsstelle FI-VS Physik
Fachbereich Physik
Carl von Ossietzky Universität
diekmann@merlin.physik.uni-oldenburg.de, hilf@merlin.physik.uni-oldenburg.de

Hartwig Havekost hat als Leiter des Bibliotheks-Infromations-Systems BIS der Universtiät Oldenburg durch seine große Weitsicht, seine frühzeitigen Weichenstellungen, seine eigene technische Begeisterung den Umbruch von einer typischen Universitätsbibliothek der Gründungsjahre der Universität in den 70er und 80 Jahren des gerade vergangenen zwanzigsten Jahrhunderts zum heutigen modernen, angesehenen und leistungsfähigen Informationssystem IS den entscheidenden Anteil.
Schon in den Jahren um 1995 befaßte er sich mit dem Problem der dauerhaften Archivierung von Bildern aus Kinderbüchern, insbesondere mit den optimalen und zukunftstr"achtigen Text- und Graphik-Formaten, suchte nach Zwei-Seiten-Buchscannern zur mengenm"a"sigen digitalen Erfassung von alten Büchern, wobei er auch nicht vor eigenen (!) technischen Entwicklungen bei der Erfassung antiquarischer Diapositive zur"uckschreckte. Man mag hier eine der eine der frühen Wurzeln sehen für die dann 1998 erfolgte Eingliederung des Rechenzentrums in das BIS zu dem heutigen IS.
Bibliotheken haben ja seit 3000 Jahren erfolgreich, professionell und effektiv Dienst geleistet, die Menschheit mit Information zu versorgen: Sie haben sich dazu früher nur auf den Sektor der gedruckten Information beschränkt. Aus dem Brand der Biblithek von Alexandria die einen wesentlichen Teil des damaligen gespeicherten Gelehrten-Wissens vernichtete, wurde als Konsequenz die Redundanz gepflegt: Gedruckte Werke wurden an vielen Orten der Welt gelagert und so der Nachwelt erhalten und zugleich der regionalen Öffentlichkeit zum Lesen zugänglich gemacht.
Es wurden damals die auch heute gültigen Prinzipien, wenn auch mit hohem Aufwand an Arbeitskraft und Geld erfüllt:
Die Integrität der Werke waren gesichert, gedruckte Werke sind schwer zu fälschen, wenn dazu an sagen wir dreitausend gut gesicherten Biblitheken der Text geändert werden müßte..
Die Zugänglichkeit der Texte für den Leser war zwar umständlich, mußte der Informationssuchende doch zur nächsten Bibliothek reisen, (!), sich als Berechtigter Leser eventuell sogar ausweisen, Bücher aus Regalen nehmen, zu einem Platz tragen, oder gar nachhause transportieren, um dann auf der nächsten Reise...
Die Suche und das Auffinden und Besorgen (Retrieval) von Information war entsprechend: am Bibliotheksstandort gab es Bücher, die wiederum Informationen über Bücher zusammenfaßten, Kataloge, Register, Indexe, genannt. Sie gaben dann auch nur die bibliographischen Informationen (wir müssen erklären, was damit gemeint war: Autoren, Titel, Verlag (das waren Firmen, die die Manuskripte von den Autoren zugesandt erhielten, den Druck übernahmen und dann wiederum die Exemplare über andere Firmen an Bibliotheken verkauften..)
Die lokale geschah dann durch Kaufen eines Buches, Kopieren auf Papier, abschreiben..
Während also diese Prinzipien damals durch mehrere Institutionen, viel Personal und Zeit und Aufwand durch ein System gelöst wurden, geschieht dies ja heute getrennt:
Wiederum sind die Dokumente ('Texte' sagen ja nur noch wenige zu diesen Gesamtwerken aus Text, Bild, Clips und Ton) verstreut über die Welt an verschiedenen Informationszentren, wie am IS elektronisch gespeichert (Integriät}. Sie sind instantan vom Leser (auch das Wort 'Leser' klingt ja etwas altertümlich, wir sollten eigentlich Informations-Inhalateur sagen, aber wie klingt das..) elektronisch zugänglich, weil der Autor sie über seinen Server auf das Netz legte (das kostet ja nichts).
Der Leser sucht über die Suchmaschinen nach Informationen am Bildschirm. Diese suchen wiederum für ihn sehr effektiv (mit Ähnlichkeitssuche, fuzzy search in dem gesamten weltweiten System aus Dokumenten, früher auch Volltexte genannt. WAIS, Lycos, ARCHIE, free-WAIS-sf, HARVEST waren frühe Vorläufer der 90er Jahre.
Das downloaden, die lokale Speicherung des Gewünschten, ist angesichts der 1 GB/s Leitungen und der lokalen Speicherkapazitäten am Schreibtisch (1GB kostet ja nur 200.- und die gesamte mathematische Fachliteratur seit Archimedes ist ja auf 20 GB zu speichern, kostet also nur 4.000.-DM und dauert zum Downloaden nur 20 min..)
Die Umorganisation von den organisatorisch getrennten Bibliotheken, Rechenzentren und Fachbereichs-informationszentren war eine wesentliche Herausforderung in den 90er Jahren. Martin Havekost hat dies sehr früh erkannt, und zusammen mit der FI-VS Physik und der Universitätsverwaltung eine ständige Berater-Runde zum Thema gebildet. Gemeinsam wurden Anträge an das Land gestellt.

Durch diese frühe, heute durch die vollkommen dezentrale Struktur des IS inkorporierte Kooperation konnte schon damals know how aus der Physik, als den technischen Vorreitern übertragen werden. So richtete einer der Autoren dem damaligen BIS einen WWW-Server ein, über den ja nun alle Informationen des IS zugänglich sind, kurioserweise damals mit den Öfnungszeiten der Bibliothek beginnend..
In den letzten Jahren vollzog sich eine folgenschwere Entwicklung im wiss. Publikationwesen, wie kluge Beobachter schon in der Mitte der 90'er Jahre vorausgesehen hatten, die die BibliothekareInnen von der Berufskrankheit des Bandscheibenvorfalls befreit hat (auf Kosten einer Sehnenscheidenentzündung..):

Die Preise der papiergest"utzten (Zellulose) Zeitschriften waren in der Vergangenheit kontinuierlich gestiegen, der nicht Inflations-korrigierte Beschaffungsetat der Institute sank langsam, sodaß der Umfang der Zeitschriften stetig abnahm. Verlage waren weiterhin an der Verpflegung ihrer Angestellten und Manager interessiert und erh"ohten die Preise f"ur die Dienste, schlie"slich untersuchten die Stochastiker die Entwicklung und prognostizierten, da"s die letzte Zeitschrift irgendwann einmal unendlich viel kosten w"urde. Das Problem war also nach den Regeln der Wissenschaft erkannt.

Dazu unterstellten "ubelgelaunte Pessimisten den wiss. Autoren damals eine unzufriedene Ungeduld, hervorgerufen durch die Zeitdauer zwischen elektronischen Einsendung bis zur Auslieferung einer Veröffentlichung. Unbelehrbare Kulturkritiker der damaligen Zeit hatten sogar Zweifel an der Qualität der Qualit"atszertifikate der Verlage (in der Physik werden schon seit den 80-er Jahren Gutachter durch ein Computerprogramm ausgewählt (Physical Review ).


Die Wissenschaftler sind ja nun schon lange gewohnt, die Volltexte unmittelbar nach Freigabe durch den Autor elektronisch auf ihren Bildschirmen abrufbar einsehen zu können, (oder sie , charakteristisch für Oldenburg, über das Handy mittels G87-Funk auf dem Gepäckträger ihres Fahrrades sich in ihren Walkman elektronisch transferiert vorlesen lassen, die angehängten namentlichen Stellungnahmen lesen können, soweit sie nicht den kleinen Bildschirm für die Farbfilme auf der kleinen 'Landkartenhalterung' am Lenker ihres Fahhrades vorziehen.

In der letzten Woche wurde die letzte Fachzeitschrift 'mit dem Fahrrad per Du', 77,2001,005) auf Antrag des entsprechenden Fachbereichs (Physik) abbestellt.

H. Havekost zeigte groß Weitsicht, als er schon 1997 die weltweite (von der European Physical Society EPS in 1994 weltweit durchgesetzte ISO12083 Norm der universellen Archiviersprache SGML (Structured General Markup Language) für die elektronische Archivierung aller bisherigen ehemaligen Bestände an Büchern und Zeitschriften auswählte. Schon im letzten Jahr hat er dann die leeren Hallen der ehemaligen Leseräume zu einem regional attraktiven und vielbesuchten Museum für alte Rechner (begonnen von ihm in hellseherischer Voraussicht bereits 1980 !), Dokumente aus der früheren Zeit des Buchdrucks, und sogar einen Saal f"ur (historische) wissenschaftliche Zeitschriften eingerichtet. Die Führungen sind für die technischen und geisteswissenschaftlichen Studenten ein Teil des Pflichtstudiums geworden, um ein Verständnis für die Unbilden mit denen die Wissenschaftler früher zu kämpfen hatten. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

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