Das Nachdenken über Wirtschaftlichkeitsmodelle mag überflüssig erscheinen, da der überwältigende Teil der Physik-Zeitschriften von den beiden Fachgesellschafts-Verlagen APS und IoPP sowie dem kommerziellen Verlag Elsevier Science herausgebracht werden, die damit die Regeln setzen. Dies mag sich jedoch rasch ändern, wenn das Urheber-Recht den Anforderungen der Wissenschaft und den Möglichkeiten des neuen Mediums entsprechend angepaßt wird. Zumindest für wissenschaftliche Originalartikel besteht bei vielen Autoren das Interesse, daß der Artikel ein absolutes Eingangsdatum erhält (Prioritätssicherung), elektronisch verbreitet wird und nicht von Dritten geändert werden kann. Alles wird von den zentralen Preprint-Servern geleistet. Das Urheberrecht muß den freien Zugang zum Preprint auch nach Erscheinen des dann referierten und damit möglicherweise geänderten Zeitschriftenartikels respektieren. Es werden also letztlich institutionell garantierte, nichtkommerzielle Archive verlangt, die am ehesten die wirklich dauerhafte Archivierung des Preprint-Originals und die von dem Ergebnis einer Begutachtung unabhängige Erteilung eines Eingangsdatums gewährleisten müssen.
Die von den Verlagen geleisteten Mehrwertdienste (Begutachtung,
darausfolgende Korrekturen, Vollständigkeit und bequeme Einsicht
("Lesbarkeit"), Suchbarkeit, etc. verlangen andererseits einen
wirtschaftlichen Schutz, der diese Einsätze lohnend erscheinen
läßt. Daher wird zwischen Autor und Verlag der
Urheberrechtsvertrag
vorgesehen. Das entspricht auch der inzwischen weitgehend
üblichen
"Netiquette" auf den Preprintservern und dem Interesse des Autors, den
Leser
auf die endgültige Fassung zu lenken, sobald diese vorhanden ist.
Dazu erhält das Dokument auf dem Preprintserver einen Link als
"Bypass",
der die Suchanfrage nach dem Text zum (kostenpflichtigen)
Verlagsserver
lenkt. Für Fragen der Priorität in der Forschung müssen
die
Preprints aber zugänglich bleiben.
Die Weiterentwicklung des Copyrights ist derzeit in der
Diskussion.
So wird von manchen Autoren derzeit gefordert, daß
der Autor das Recht erhalten möge,
seinen Artikel unabhängig an mehrere
Verlage zu senden. Er verringert dadurch das Risiko des Zeitverzuges
bei einer
Ablehnung. Daraus folgt natürlich, daß dann die Begutachtung
für ihn kostenpflichtig sein wird.
Schließlich gibt es teilweise den Wunsch, tatsächlich den
Artikel
im Original in verschiedenen Zeitschriften und Archiven erscheinen zu
lassen,
in der Hoffnung auf weiteste Verbreitung. Zwar gibt es hierzu
Beispiele,
weil die Gutachtersysteme der verschiedenen Verlage unverbunden sind,
und
derzeit eine Originalitätsprüfung verlagsübergreifend
nicht statfindet. Aber mit den zu erwartenden
verlagsübergreifenden
Suchmaschinen wird dieser Wunsch obsolet werden.
Die Gewohnheiten und Erwartungen schöpfen jedenfalls derzeit die
elektronisch denkbaren Möglichkeiten bei weitem nicht aus.
Am zukunftsträchtigsten sehe ich natürlich Provider-Angebote, die auf das gesamte Bündel zukünftig notwendiger elektronischer Dienste für den Arbeitsplatz des Physikers zielen.
So hat der finanzielle Mangel eine Arbeitsteilung gefördert: Die Preprint-Dienste gestatten die Sicherung der Priorität eines Resultates. Sie gestatten, die gesuchten Informationen zu finden und integer (ungeändert) zu erhalten. Die Zeitschriften, elektronisch oder gedruckt, bieten eine Aufbereitung und Bewertung der wissenschaftlichen Leistung des Artikels (Begutachtung, professionelle verlegerische Aufbereitung).