Elektronische Informationen für die Physik

Eberhard R. Hilf

Die Rolle der DPG

Die DPG hat sich der Herausforderung des Umbruchs zu einem neuen Informationsmanagements konstruktiv zugewendet. Eröffnet wurde dies durch ein von Alexander M. Bradshaw (Vorstandsbereich Presse und Informationswesen der DPG) eingeladenes Gespräch [3] im Magnushaus im Frühjahr 1996 (eine Zusammenfassung gab kürzlich R. Trebin (Phys. Bl. 9, 837 (1996)), zu dem das im Jahr zuvor gebildete "Konsortium Physik" und eine Reihe von Gutachtern aus der Physik geladen waren. Im Konsortium beteiligen sich neben Vertretern der DPG und der Fachbereiche je ein Vertreter der kommerziellen Anbieter, die an einem Physik-Projekt mitwirken wollen, dies sind derzeit: die Verlage Elsevier Science, Springer Verlag, Spektrum Akademischer Verlag, VCH Verlagsgesellschaft sowie Rank Xerox und das FIZ Karlsruhe. Zahlreiche weitere Verlage und Firmen haben ihre Teilnahme avisiert.

45 Fachbereiche haben ihr Interesse erklärt, gemeinsam mit den entsprechenden Providern eine vorwettbewerbliche Prüfung und Erprobung neuer Dienste vorzunehmen. Das Konsortium hat ein Grundsatzpapier erarbeitet, und die DPG hat ein integrierendes Gesamtkonzept (Testbett, Konsortium; Gesamtthemenbündel) gemeinsam mit der KFP dem zuständigen Fachreferat im BMBF im Hinblick auf eine mögliche Förderung vorgestellt. Es entsprach dem neuen Konzept des BMBF: So sagte der Staatssekretär B. Neumannin einem Interview mit Stefan Idel (siehe die Tageszeitung Nordwestzeitung) (NWZ 46 (1997) P4, vom 24.2.1997) : In Leitprojekten "arbeiten Teams aus Wissenschaft und Unternehmen an einem konkreten Innovationsziel von Anfang an gemeinsam. Das Gute daran: Während die Forschung das Ziel eines Projektes vorschlägt, kann die Industrie bereits die Marktchancen des späteren Produktes beurteilen". Inzwischen hat sich aber das BMBF zu einer neuen Förderstruktur entschlossen, bestehend aus einem Modellprojekt von jeweils vier lokalen Fachbereichen verschiedener Fachrichtungen, für die insgesamt eine Hilfskraft angeboten wird, sowie anschließenden Sonderfördermaßnahmen. Die Herausforderung ist also nun, den hohen Integrationsgrad des Physik-Konzeptes trotz der neuen Förderbedingungen zu nutzen. Einige Aspekte des Gesamtkonzeptes werden auf anderen Wegen (DFN, DFG, ...) realisiert. Einige Aspekte könnten sich in die angekündigte Förderungsform des BMBF "Sondermaßnahmen" einarbeiten lassen. Zugleich ist das jetzige Förderziel des BMBF, das sich i. w. auf die elektronische Übertragung des jetzigen Publikationswesens beschränken soll, in der Physik durch die großen ausländischen Verlage bereits weitgehend realisiert. Wie bereits oben erwähnt, bringen alle großen Physik-Verlage ihre Zeitschriften online heraus oder bereiten dies vor. In intensiven Kontakten untereinander werden derzeit Standards und Normen festgelegt.

Ein wesentlicher Teil des Physik-Gesamtkonzepts wird daher durch Eigenarbeit der Erzeuger (Wissenschaftler an den Fachbereichen und Instituten) in Zusammenarbeit mit an neuen zukunftsträchtigen Diensten interessierten Providern in einer "Politik der kleinen Schritte" verfolgt werden. Ein Trost mag sein, daß die wichtigsten, heute unverzichtbaren kommerziellen Dienste wie der Browser Netscape das Abbild von "kostenfreien", in der Wissenschaft entwickelten Dienste, hier dem Browser Mosaic sind. Dies entspricht in idealer Weise der Aussage des BMBF-Staatssekretärs...

Die Aktivitäten der DPG konzentrieren sich daher derzeit auf

Die DPG wird, falls es sinnvolle Konditionen gibt, zusammen mit der KFP das Testbett Physik für konkrete Vorhaben, denen ihre Arbeitsgruppe IuK Physik zugestimmt hat, organisieren und die notwendigen technischen Infrastrukturen bereitstellen. Im übrigen wird sie sich konzentrieren auf Die Zukunft wird insgesamt in einem weltweiten, umfassenden und verteilten Informationsnetz gesehen, in dem die unterschiedlichsten Daten und Dokumente unterschiedlichster Formate bei den Erzeugern (Autoren) oder in Archiven von Verlagen oder Bibliotheken lagern, über die aber einheitlich, bequem und effizient gesucht werden kann. Im Unterschied zum bisherigen Informationssystem ist der eigene Arbeitsbeitrag der Autoren (korrekte Indizierung) und Institute (lokale Gatherer, Broker und Server) der Schlüssel zur Leistung des Gesamtsystems. Die DPG kann hier nur bei Schulungen, Informationstransfer und Koordinierung unterstützend tätig werden.

Es mag für Wissenschaftler ungewohnt erscheinen, über sein Handwerkszeug nachzudenken, - aber das haben Physiker immer getan, sei es über Beschleuniger als Handwerkszeug für Experimente oder über neue numerische Verfahren oder Algebren für die theoretische Modellierung, oder eben über das Informationsmanagement, wenn es denn nur verheißt, die wissenschaftliche Arbeit der Physiker zu unterstützen.


E.R.Hilf, hilf@merlin.physik.uni-oldenburg.de
Endzustand dieses Teil-Dokumentes: 15.4.1997
Urheberrechtsbemerkung